Die kommunale Wärmeplanung skizziert grundsätzlich einen Pfad zur Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung. Dies geschieht in einem Stufenmodell: Zuerst wird eine Bestandsaufnahme der Wärmeversorgung vor Ort durchgeführt. Anschließend werden Potenziale für die Wärmeerzeugung aus lokalen erneuerbaren Energien identifiziert. Basierend auf diesen Ergebnissen wird ein Zukunftsszenario entwickelt, bei dem die Wärmeversorgung klimaneutral erfolgt. Abschließend werden Maßnahmen zur Umsetzung des Zukunftsszenarios erarbeitet.
Die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN) betont, dass die kommunale Wärmeplanung eine rein strategische Planung und keine Detailplanung ist. Sie kann uns soll nicht auf jede Frage im Detail eine Antwort geben. Sie schafft keine unmittelbaren Pflichten für Bürgerinnen und Bürger. Die kommunale Wärmeplanung sorgt nicht umgehend für ein Inkrafttreten des GEG und den damit einhergehenden Anforderungen zum Heizungstausch.
Im Januar 2025 fand die Auftaktveranstaltung zum Prozess der Erstellung der kommunalen Wärmeplanung im EFMK statt. Bereits im Juni 2025 wurden die Ergebnisse der Bestands- und Potenzialanalyse in einer öffentlichen Informationsveranstaltung vorgestellt. Dabei wurde der aktuelle Wärmebedarf der Gemeinde erfasst, bestehende Versorgungssysteme analysiert und Potenziale für den Einsatz erneuerbarer Energien sowie unvermeidbarer Abwärme identifiziert. Zugleich wurden während der Veranstaltung erste Anregungen und Ideen der Bevölkerung zur der Wärmeplanung gesammelt und diskutiert. Im November 2025 wurden in der Bau-, Wege-, Verkehrs- und Umweltausschusssitzung durch den Projektleiter Jakob Bürger von der Wärmeschmiede GmbH die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung im Entwurf vorgestellt. Es folgte die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange.
Nun fand am 27. Januar 2026 eine wieder gut besuchte Öffentlichkeitsveranstaltung im EFMK zu den Ergebnissen der kommunalen Wärmeplanung statt, die Fachplaner und Projektleiter Jakob Bürger präsentierte. Dabei ging er auch auf die Rahmenbedingungen ein und räumte mit gängigen Missverständnissen auf. Der Projektleiter der Wärmeschmiede betonte noch einmal das Potenzial energetischer Sanierungen um den Wärmeverbrauch zu reduzieren und die dezentrale Versorgung durch Wärmepumpen, die sich häufig als wirtschaftliche und technische Lösung eignen würden. Zudem hob er die Rolle von Biogas hervor, einmal als Quelle für mögliche Wärmenetzeignungsgebiete und einmal zur möglichen Aufbereitung zu Biomethan, um die bestehenden Gasnetze entsprechend weiter nutzen zu können. Hierzu erstellen die Stadtwerke Huntetal eine Machbarkeitsstudie. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Huntetal GmbH, Matthias Partetztke, referierte anschließend zu den Chancen und Herausforderungen einer möglichen Umstellung des Gasnetzes auf Biomethan. Um an der großen Stellschraube anzusetzen den Energieverbrauch zu reduzieren, konnte Energieberater Frank Seidlitz von der Verbraucherzentrale Niedersachsen gewonnen werden, der zum Thema „Wie dämme ich mein Haus“ einen kurzen Rundumschlag mit praktischen Tipps geben konnte und darauf verwies, dass ab April 2026 der Beratungsstützpunkt der Verbraucherzentrale im Diepholzer Kreishaus wieder geöffnet sein wird.
Bestandanalyse
Untersucht wurden u. a. Daten zu Gebäuden, Strom- und Gasverbrauch, Wärmenetzen, kommunalen Liegenschaften sowie Schornsteinfegerregistern. Der jährliche Energiebedarf für Raumwärme und Warmwasserbereitstellung beträgt heute rund 71 GWh. Die Wärmeversorgung erfolgt überwiegend über die fossilen Energieträger Erdgas und Heizöl. In Wagenfeld sind rund 74% der Gebäude an das zentrale Gasnetz angeschlossen. Eine dezentrale Versorgung über Heizöl erfolgt in rund 15 % der Gebäude. Weitere dezentrale Heizungssysteme, wie Luftwärmepumpen, Flüssiggasheizungen oder Pelletkessel, werden nur vereinzelt eingesetzt. Zudem sind drei Wärmenetze vorhanden, die gemeinsam rund 1 % der Gebäude im Gemeindegebiet versorgen. Die jährlich anfallenden Treibhausgasemissionen für die Wärmeversorgung betragen rund 16.863 Tonnen CO2-Aquivalente.
Potenzialanalyse
Darauffolgend wurden Energieeinsparpotenziale und verschiedene Wärmequellen betrachtet – von industrieller Abwärme und Abwasser über Solarenergie und Geothermie bis hin zu grünem Wasserstoff.
Unter Annahme einer Sanierungsrate von 2 % Reduzierung des Wärmebedarfs im Vergleich zum Vorjahr, könnten bis zum Zieljahr 2040 rund 12 GWh Wärmebedarf eingespart werden. Gegenüber dem Status quo entspricht dies einer Reduzierung des jährlichen Wärmebedarfs um 18 %. Jakob Bürger, Projektleiter der kommunalen Wärmeplanung in Wagenfeld, betont in diesem Zusammenhang: „Angesichts der Tatsache, dass rund 75 % der Gebäude vor 1978 errichtet wurden, kommt der energetischen Sanierung eine zentrale Bedeutung zu.“
Als lokale Potenziale für zentrale Versorgung wurden die vorhandenen Biogasanlagen identifiziert. Für dezentrale Versorgung spielen Biomasse, biogenes Flüssiggas und Umgebungsluft eine wichtige Rolle. Wind- und Solarenergie haben demnach keine große Bedeutung. Ihre Stärke liege in der Stromerzeugung. Auch Wasserstoff sei wegen der Verfügbarkeit und der Kosten ungeeignet.
Zielszenario und Umsetzungsplan als Leitfaden für die nächsten Jahre
Auf Grundlage der vorherigen Analysen wurde ein Zielszenario entwickelt. Das Zielszenario beschreibt die langfristige Entwicklung der Wärmeversorgung in der Gemeinde Wagenfeld hin zu fossilfreien Energiequellen im Zieljahr 2040. Die Wärmeversorgungsarten und ihre Verteilung im Zielszenario dienen als strategische Orientierung für eine potenzielle treibhausgasneutrale Wärmeversorgung in der Zukunft und sind weniger als Prognose zu verstehen.
„Dieses Szenario basiert nicht nur auf theoretischen Berechnungen, sondern auf zahlreichen Gesprächen mit Fachleuten, der Gemeindeverwaltung und den Stadtwerken Huntetal. Es bietet eine realistische Grundlage für die kommenden Planungsschritte und berücksichtigt technische, räumliche als auch organisatorische Aspekte.“, erklärt Jakob Bürger, Projektleiter der KWP in Wagenfeld.
Eine besondere Bedeutung bei der Entwicklung des Zielszenarios kommt den Wärmenetzen zu. Zur Identifikation von Gebieten, die sich für eine zentrale Wärmeversorgung über Wärmenetze eignen, wurde – vereinfacht dargestellt – das analysierte Gebiet zunächst in Teilgebiete unterteilt. Dabei wurde insbesondere der lokale Wärmebedarf berücksichtigt. Ob sich ein Wärmenetz als sinnvoll und wirtschaftlich erweist, hängt von zahlreichen Faktoren ab, die je nach Standort stark variieren können. Grundsätzlich sind Wärmenetze vor allem dort wirtschaftlich und ökologisch vorteilhaft, wo erneuerbare Wärmequellen oder Abwärme in der Nähe vorhanden sind, ausreichend Haushalte einen Anschluss wählen und der Wärmebedarf pro Straßenzug hoch ist – typischerweise in dicht besiedelten Gebieten mit hohem Energieverbrauch. Ihr Bau steht jedoch stets im Spannungsfeld zwischen den hohen Investitionskosten, die sich je nach Betreibermodell wirtschaftlich rentieren müssen, und den Anschlusskosten sowie Wärmepreisen für Haushalte, die erschwinglich bleiben müssen, um eine ausreichende Beteiligung zu sichern.
Hier wurden zwei Fokusgebiete ermittelt, die sich laut Planungsbüro wahrscheinlich für Wärmenetze eignen, jedoch in Zukunft detaillierter betrachtet werden müssten: ein Siedlungsbereich in Wagenfeld-Neustadt und ein Teil des Ortskerns im Bereich der Oberschule.
Im Zielszenario für Wagenfeld schließen sich bis zum Zieljahr rund 7 % der Gebäude an Wärmenetze an. Für die weiteren Teilgebiete bestehen zwei verschiedene Szenarien. Aktuell prüfen die Stadtwerke Huntetal Netz GmbH die Möglichkeit, das vorhandene Gasnetz mit lokal erzeugtem Biomethan zu betreiben. Das würde die Nutzung des Gasnetzes auch über das Zieljahr 2040 hinweg möglich machen. Alternativ sind dezentrale Erzeuger, wie Luftwärmepumpen oder Pelletheizungen für die Gebiete abseits der Wärmenetze geeignet.
© Wärmeschmiede GmbH Ausgehend von den Zielszenarien und Transformationspfaden wurde ein Maßnahmenplan erarbeitet: 1.) Bereitstellung von Informationen zur Kommunalen Wärmeplanung und einer Linksammlung zur energetischen Gebäudesanierung auf der Homepage der Gemeinde; 2.) Prüfung der Bereitstellung einer kostenlosen initialen Energieberatung für Bürgerinnen und Bürger über die Verbraucherzentrale; 3.) Berücksichtigung der Ergebnisse der Wärmeplanung in der Zielnetzplanung der Stromnetzbetreiber; 4.) Prüfung der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie „Weiterbetrieb des Gasnetzes mit Biomethan“ der Stadtwerke Huntetal Netz GmbH; 5.) Positive Begleitung der laufenden Wärmenetzkonzepte; 6.) Kommunikationshilfe bei der Flächensicherung für Wärmeprojekte.
Die Präsentation aus der Öffentlichkeitsveranstaltung am 27. Januar 2026 und die Entwurfsfassung der kommunalen Wärmeplanung sind unter www.wagenfeld.de/kommunale_waermeplanung zu finden.
Nach erneuter Befassung des Gemeindesrates mit dem Thema ist vorgesehen, dass es u.a. zukünftig weitere für die Bürgerinnen und Bürger kostenlose Infoveranstaltungen zu ausgewählten Themen rund um die Energie- und Wärmewende geben soll.
Die kommunale Wärmeplanung der Gemeinde Wagenfeld wird gefördert gemäß der Kommunalrichtlinie Klimaschutz im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI).
