Werner und Jutta Käding (2.u.3.v.r.) freuen sich über die Spende aus dem Erlös aus einem Kinoabend anlässlich des Internationalen Frauentags für den Weißen Ring. Für dessen Engagement dankten (v.l.) Rosi Kurella (Diepholz), Alena Tumonanov-Balysev (IG Metall), Petra Rieck (Lemförde) und Sabine Schröder (Wagenfeld).© Melanie Russ
Wagenfeld – Manchmal erfahren Werner und Jutta Käding Dinge, die sie eigentlich nicht hören möchten. Etwa dann, wenn ein über 70-jähriger Mann ihnen von dem schweren Missbrauch erzählt, den er als Vierjähriger erleiden musste und der sein Leben lang schwer auf ihm lastete. Doch Werner und Jutta Käding hören zu. Sie schenken Zeit, Aufmerksamkeit und versuchen, den Betroffenen mit Rat und Unterstützung zur Seite zu stehen. Seit 24 Jahren engagiert sich das Ehepaar ehrenamtlich beim Weißen Ring im Landkreis Diepholz für Opfer von Straftaten. Kürzlich waren die beiden im Wagenfelder Rathaus zu Gast, um eine Spende aus dem Erlös eines Kinoabends der Gleichstellungsbeauftragten anlässlich des Internationalen Frauentags in Höhe von 1.000 Euro entgegenzunehmen.
Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weißen Rings sind Ansprechpartner für Menschen, die Opfer von Gewalt wurden und Unterstützung benötigen. Das Angebot reicht von persönlicher Beratung und Begleitung zu Behörden oder Gerichten bis zu finanziellen Soforthilfen in akuten Notlagen. Außerdem setzt sich der Verein für die Rechte von Opfern ein und leistet Aufklärungsarbeit, um Prävention und gesellschaftliches Bewusstsein zu stärken. Wie Werner Käding, Leiter der Außenstelle Diepholz, berichtet, haben rund zwei Drittel der betreuten Fälle einen Hintergrund von sexueller oder häuslicher Gewalt. Nach Gesprächen wünsche er sich oft, er hätte mehr tun können als zuzuhören und Mut zuzusprechen, erzählt Käding. Häufig scheine ihm das nicht genug. Umso bewegender sei es, wenn sich Betroffene Monate später meldeten und berichteten, wie wichtig gerade dieses Zuhören für sie gewesen sei. Elf Ehrenamtliche engagieren sich derzeit beim Weißen Ring in Diepholz, davon drei in Ausbildung – „junge Leute, die sich selbst gemeldet haben“, freut sich Jutta Käding. Die übrigen Mitstreiter seien „jenseits der Pensionärsgrenze“, ergänzt ihr Ehemann schmunzelnd. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter haben regelmäßig die Möglichkeit, an Seminaren der eigenen Akademie teilzunehmen. Außerdem treffen sie sich einmal im Monat, um über die betreuten Fälle zu sprechen und sich gegenseitig zu unterstützen. Denn: „Die Arbeit kann schon an die Substanz gehen“, weiß Werner Käding. „Manche Dinge bleiben hängen.“ Umso wichtiger ist es laut Jutta Käding, auch abschalten zu können. Die Beratung von Betroffenen erfolgt immer zu zweit. Das Ehepaar nutzt oft die Heimfahrt, um das Gehörte im Gespräch zu verarbeiten. Doch manchmal, so erzählt Jutta Käding, fehlen einfach die Worte. Dann brauchen auch die beiden erfahrenen Ehrenamtlichen einige Stunden, um das Erlebte langsam sacken zu lassen.
Die Arbeit des Weißen Rings ist heute so wichtig wie bei seiner Gründung im September vor genau 50 Jahren. Doch die Zahl der fördernden Mitglieder sei rückläufig, bedauert Jutta Käding. Dabei liege der Mindestbeitrag bei nur 2,50 Euro im Monat – so viel wie eine Tasse Kaffee. Doch es gehe nicht allein ums Geld, betont Werner Käding. Auch wenn finanzielle Unterstützung immer willkommen sei. Mehr Mitglieder bedeuten auch größeres politisches Gewicht der Organisation beim Bemühen um mehr Unterstützung für Gewaltopfer. Besonders kritisch sieht Werner Käding die aktuelle Situation des Ergänzenden Hilfesystems (EHS), eine staatliche Unterstützung für Menschen, die als Minderjährige sexualisierte Gewalt im familiären Umfeld oder in Institutionen erfahren haben und bis heute unter den Folgen leiden. Der dafür eingerichtete Hilfsfonds ist derzeit ausgeschöpft; neue Mittel wurden bislang nicht bewilligt. „Wir hatten drei bis vier Fälle pro Woche“, beschreibt Käding die Bedeutung des Programms. Umso mehr freut sich das Ehepaar darüber, dass der Weiße Ring dieses Mal bei der Aktion der Gleichstellungsbeauftragten aus Diepholz, Lemförde, Rehden und Wagenfeld gemeinsam mit IG Metall und DGD bedacht wurden. Wie in jedem Jahr hatten sie einen Kinoabend in der Lichtburg in Quernheim organisiert. Gezeigt wurde dieses Mal „Die Gesandte des Papstes“. „Fuchs sucht uns immer einen guten Film aus“, lobt Sabine Schröder aus der Wagenfelder Verwaltung den filmbegeisterten Kinobetreiber. 130 Besucherinnen und Besucher – denn auch Männer sind ausdrücklich willkommen – waren der Einladung gefolgt. Die Samtgemeinde Lemförde hatte den Sekt gespendet, die IG Metall Nienburg-Stadthagen die kleinen Geschenke. In der Vergangenheit war häufiger das Frauenhaus in Diepholz mit dem Erlös bedacht worden, dieses Mal wählten die Gleichstellungsbeauftragten den Weißen Ring, um dessen „tolle Arbeit zu unterstützen“, wie Rosi Kurella aus dem Diepholzer Rathaus betonte.
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Werner Käding
Mobil: 0151/55164743
Fax: 05447/924046
Mail: diepholz@mail.weisser-ring.de
Diepholzer Kreiszeitung, 19.05.2026